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Fehler im Businessplan können sich rächen

Nicht nur vor der Gründung scheitern Projekte an einer fehlenden Finanzierung – genauso kann eine falsche Finanzierung und handwerkliche Fehler im Businessplan auch in den Folgejahren zu Problemen führen.

Falsche Finanzierung führt zu Liquiditätsproblemen

Die Gründe, weshalb ein Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und Verbindlichkeiten nicht mehr termingerecht begleichen kann, können unterschiedlichster Natur sein: die Marktentwicklung, Produkte/Dienstleistungen werden nicht nachgefragt, es wird nicht genügend Personal gefunden, Krankheit oder Ausfall des Inhabers, usw.

Fehlplanungen schon im Gründungskonzept

Wenn diese Probleme aber schon sehr frühzeitig im Unternehmensleben auftreten (d.h. in den ersten 3 bis 5 Jahren), ist die Ursache oft eine zu optimistische Umsatzprognose, auf deren Basis die Gründungsfinanzierung gewährt wurde. Meistens in Kombination mit zu geringen oder gar keinen Kosten für Marketing, Akquise, Kundengewinnung, Messeteilnahmen.

Sollten diese Umsätze dann nicht erzielt werden und / oder die Kosten die geplanten Budgets übersteigen, reicht der Cash-Flow trotz vielleicht sogar noch positiven Ergebnissen nicht mehr aus, um nach Abzug der Steuern den eigenen Lebensunterhalt und soziale Absicherung sowie den Kapitaldienst (Tilgungsleistungen) für die Gründungsfinanzierung zu leisten.

Liquiditätsengpass verhindert Folgeinvestitionen

Wenn dann auch noch Folgeinvestitionen anstehen, um das Wachstum aufrechtzuerhalten, wird es schwierig – so auch bei unserem Kunden aus dem Gesundheitssektor, der im Rahmen seiner Gründung vor einigen Jahren eine Finanzierung im mittleren 6-stelligen Volumen erhalten hatte.

Da diese Finanzierung zum überwiegenden Teil in Immobilien erfolgt ist (und mit entsprechenden Grundschulden abgesichert werden konnte), wurde das Gründungskonzept des Steuerberaters recht zügig bewilligt.

Nicht berücksichtigt wurde jedoch, dass nicht nur die laufenden betrieblichen Aufwendungen auf Jahre hinaus erwirtschaftet werden müssen, sondern auch der Lebensunterhalt des Inhabers sowie Zins- und Tilgungsleistungen der Finanzierung.

So entstand bereits im dritten Jahr eine Finanzierungslücke, die noch privat abgedeckt werden konnte. Für Folgeinvestitionen im fünften Jahr (z.B. Austausch von Geräten, die einem normalen Verschleiß unterliegen) war dann keine Luft mehr: der Kontostand war am Limit und das Unternehmen mit 5 Mitarbeitern (wie auch der Inhaber selbst) stand vor der Insolvenz.

Beratung für Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten

Als wir in dieser Situation zu Hilfe gerufen wurden, konnten wir das Förderprogramm der Bafa „Förderung unternehmerischen Know-Hows“ für Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten nutzen.

Sofern ein Unternehmen die Kriterien erfüllt, werden Beratungshonorare von bis zu 3.000 Euro netto mit 90% bezuschusst, sodass lediglich ein Eigenanteil von EUR 300 verbleibt.

Im Rahmen der Beratungen haben wir als erstes nach einer Bestandsaufnahme die Fehlplanungen korrigiert und sowohl Rentabilitätsprognosen als auch Liquiditätsplanungen für die nächsten Jahre erstellt.

Damit war zum ersten Mal auch definiert

  • wo der Break-Even liegt
  • wieviel Umsatz mittel- und langfristig zum Überleben des Unternehmens und des Inhabers generiert werden muss
  • ob das theoretisch überhaupt möglich ist.

In einem zweiten Schritt mussten die Gläubiger mit einem Maßnahmenplan davon überzeugt werden, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch überwunden werden können – unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten in dieser Situation mitspielen.

Investitionen statt Einsparungen im Sanierungsplan und Turn-Around-Maßnahmen

Der erste Blick sämtlicher Gläubiger (Finanzinstitute, Leasinggeber, Lieferanten, Vermieter, Sozialversicherungen, Finanzamt, …) geht im Rahmen einer Sanierung ganz natürlich auf die Kostenseite des Unternehmens – wo können Kosten eingespart werden (Materialaufwand, Personal, Administration, etc.)?

Etwas anspruchsvoller wird es aber, wenn die Ursachen der Liquiditätsprobleme nicht auf Kostenseite zu suchen sind, sondern ein Wachstumskurs weiter fortgesetzt werden soll. Dieser Kurs war zwar grundsätzlich erfolgreich, aber die unrealistisch hohen Ziele konnten nicht in einem so kurzen Zeitraum erreicht werden, zumal ohne Marketingaufwendungen.

In dieser Situation müssen zusätzliche Liquiditätsspielräume geschaffen werden, um Investitionen zu ermöglichen, durch die der Unternehmer sein Unternehmen erhalten und das Umsatzvolumen erhöhen kann.

Zugeständnisse der Gläubiger, Reduzierung der Zins- und Tilgungsleistungen

Solch ein Maßnahmenplan umfasst nicht nur Marketing-Aspekte wie die Steigerung der Umsatzerlöse, die Neukundengewinnung, verstärktes Cross- und Up-Selling unter Einbeziehung sämtlicher Mitarbeiter, den Aufbau neuer Geschäftsfelder, u.ä.m., sondern auch eine Reduzierung des Kapitaldienstes, der dem Unternehmen zuvor jeglichen Handlungsspielraum raubte.

In diesem Fall konnten die Gläubiger mit dem ausgearbeiteten Maßnahmenplan überzeugt werden, neben einer Reduzierung der Zinsbelastung in der Sanierungsphase auch die Tilgungsleistungen zu strecken.

Licht am Ende des Tunnels

5 Jahre nach Gründung des Unternehmens ist es nun zum ersten Mal absehbar, in welche Richtung sich die Firma entwickeln muss.

Durch das Entgegenkommen der Gläubiger steht in den nächsten 5 Jahren bei diesem Unternehmen eine knapp 6-stellige Summe an zusätzlicher Liquidität zur Verfügung, die nun stattdessen in das weitere Wachstum, den Aufbau neuer, zukunftsträchtigerer Geschäftsbereiche und die Kundengewinnung investiert werden kann.

 

 

"es ist vollbracht ;-) ... Im Anhang finden Sie die Verträge..."

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