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Wenn auch den "3F" (family, friends, fools) das Geld ausgeht

Finanzierungs-Durcheinander bremst Wachstum aus

Manche Branchen tun sich bei Kreditanfragen leichter als andere, andere haben tendenziell Schwierigkeiten, eine Finanzierung zu erhalten. Eine der Branchen, die kritisch gesehen wird, sind Transport- und Speditionsunternehmen, die mit Margendruck und Überkapazitäten zu kämpfen haben.

Rentable Nische in ansonsten kritischer Branche

Trotzdem gibt es das ein oder andere Unternehmen, das - in einer Nische - rentabel arbeitet, wie auch unser Kunde mit einer Handvoll Schwertransportern im Bestand, gut ausgebildeten und erfahrenen Fahrern und ausgebuchten Routen.

Problematisch waren in diesem speziellen Fall die „Altlasten“ aus der Unternehmensgründung vor einigen Jahren. Trotz staatlicher Bürgschaften und anderer Förderprogramme besteht bei Gründung kein Rechtsanspruch auf eine Gründungsfinanzierung, und so hatte auch unser Kunde kein Gründerdarlehen erhalten und sich das Startkapital (wie so oft) dann aus unterschiedlichen Quellen zusammengestückelt – Familie, Verwandtschaft, Freunde, Bekannte usw. 5.000 Euro hier, 10.000 Euro dort, ein Bausparvertrag beliehen und das private Girokonto überzogen.

Das geht bis zu einem gewissen Volumen auch oft gut – aber wenn für eine geplante Kapazitätsausweitung weitere Investitionen erforderlich sind und die „FFF“ (family, friends, fools) kein Kapital mehr beisteuern können, wird der Gang zur Bank notwendig. Ein erster Schritt jedoch (bevor es zur Bank ging) war auch in diesem Fall, die aktuelle Verschuldungssituation transparent darzustellen und die Tilgungen der diversen privaten Gläubiger an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anzupassen.

Zu ambitionierte Tilgung der Kredite im Familien- und Freundeskreis

Ein typisches Problem bei solchen Finanzierungen im Freundes- und Familienkreis ist es, sich selbst zu überfordern und bei Tilgungszusagen die eigenen Möglichkeiten falsch einzuschätzen ("du bekommst dein Geld nächstes Jahr zurück"). Auch in diesem Fall wurden Tilgungen ursprünglich an der Rentabilität vor Steuern und vor Privatentnahmen und Sozialabgaben ausgerichtet, was zwangsläufig dazu führt, dass diese „Tilgungen“ lediglich zu Lasten neuer Kreditaufnahmen erfolgen, im teuersten Fall auf Kosten des Dispolimits – ein Teufelskreis, der irgendwann das gesamte Unternehmen und die dort entstandenen Arbeitsplätze bedroht.

Spätestens an dieser Stelle muss nachgeholt werden, was „eigentlich“ bereits bei der Existenzgründung vor einigen Jahren hätte erfolgen sollen: ein Liquiditätsplan, aus dem auch die Kapitaldienstfähigkeit unter Berücksichtigung der privaten Lebenshaltung, Sozialversicherung und Steuerzahlungen hervorgeht.

Mit diesen (und weiteren) Unterlagen ausgestattet, war das Transportunternehmen für die Bankgespräche deutlich professioneller vorbereitet als vorher. Und auch die Bank konnte nachvollziehen, dass in den neuen Planungen sämtliche Gläubiger realistisch angesetzt sind, die vorliegenden Aufträge das geplante Umsatzvolumen belegen und die Kapitaldienstfähigkeit für die Finanzierung der zusätzlichen Transportfahrzeuge – trotz der generell schwierigen Branche, und trotz der komplizierten Historie – gegeben ist.

"Hier als Anlage die Kreditverträge und die aktuellen Zahlen. Jetzt siehts es doch schon besser aus, oder?"

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